Brasilien

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Willkommen in Brasilien! Die Sprachen Brasiliens Das Wirtschaftswunder Brasilien

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Oi! E aí? Tudo bom? Endlich ist es soweit und 32 Mannschaften kämpfen in diesem schönen Land um den Fußballweltmeisterschaftstitel! Gibt es eine bessere Gelegenheit, euch Brasilien vorzustellen?


Vom Strand in den Dschungel

Die Landschaft ist sehr vielseitig! Von den herrlichen Stränden der Atlantikküste, über den dichten Regenwald des Amazonasbeckens, die Hochebenen und Gebirge im Süden und die Savannengebiete, die Cerrados, im Zentrum des Landes: Brasilien hat für jeden etwas zu bieten. Es ist nicht nur das Land mit dem wasserreichsten Fluss der Erde, dem Amazonas, und der größten zusammenhängenden Waldfläche, sondern es ist auch das artenreichste Land der Erde. Neben vielen Baum- und Pflanzenarten, ist es insbesondere für seine Tierwelt bekannt. Es gibt Papageie, Kolibris, Jaguare, Tapire, Faultiere, Gürteltiere, Affen, Anakondas, Piranhas, … Es sind einfach zu viele, um sie alle aufzuzählen! Leider sind heutzutage viele Arten gefährdet, weil der Wald durch Waldrodung zerstört wird.

Viele Tiere leben im echten Dschungel. Die Menschen findet man eher im Großstadtdschungel, in den großen Städten im Südosten des Landes, wie Rio de Janeiro oder São Paulo. Hier sind auch die meisten Fabriken, wo Autos, Flugzeuge und viele andere Dinge gebaut werden. Brasilien ist der viertgrößte Autohersteller der Welt und der zweitgrößte Flugzeughersteller. Im Nordosten leben weniger Menschen. Da ist es trockener und es gibt Dürrezeiten. Einige Ureinwohner wohnen auch heute noch im Regenwald. Dort betreiben sie nachhaltige Landwirtschaft, die dem Wald nicht schadet, im Gegensatz zu vielen großen Firmen, die den Wald zerstören. Viele der Ureinwohner leben aber mittlerweile in den Städten, wo sie sich mit der übrigen Bevölkerung vermischen.

Wo kommen die Brasilianer her?

Die Menschen in Brasilien entstammen verschiedenen Völkergruppen: Afrikanern, Europäern und amerikanischen Ureinwohnern. Weil sich diese Völkergruppen untereinander vermischt haben, kann man oft nicht mehr sagen woher die Vorfahren stammen. Das ist nicht schlimm, denn es sind ja sowieso alles Brasilianer, egal woher sie kommen! Die Brasilianer sind sehr stolz darauf, dass die verschiedenen Völkergruppen so friedlich zusammenleben.

Früher war Brasilien sehr katholisch. Heutzutage treten aber immer mehr Menschen den christlichen Missionskirchen bei. Man trifft auch auf Religionen von afrikanischem Ursprung. Im Laufe der Zeit haben sich die Traditionen der Ureinwohner mit dem afrikanischen und katholischen Glauben vermischt, wie zum Beispiel Candomblé oder Umbanda. Oft werden diese Religionen auch unter dem Begriff Macumba zusammengefasst. Es gibt auch einige Muslime, Buddhisten, Juden und Hindus, aber nicht sehr viele.

Desembarque de Pedro Álvares Cabral em Porto Seguro em 1500

Desembarque de Pedro Álvares Cabral em Porto Seguro em 1500 – Oscar Pereira da Silva

Wollt ihr wissen wieso so viele Menschen mit europäischer und afrikanischer Abstammung in Brasilien leben? Das hat mit der Geschichte zu tun. Brasilien war schon 10000 v. Chr. bewohnt. Schon Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung betrieben diese Menschen Landwirtschaft und entwickelten hohe Kulturen. 1492 landete Kolumbus in Amerika. Er nahm damals das Land für die spanische Krone in Besitz. Weil Portugal damit nicht ganz einverstanden war, beschlossen Spanien und Portugal Südamerika aufzuteilen. So wurde Brasilien zu einer portugiesischen Kolonie. Am 22. September 1500 landete schließlich der Seefahrer Pedro Alvarez Cabral in Brasilien, um das Land für den portugiesischen König in Besitz zu nehmen. Die Kolonialherren zwangen die Ureinwohner auf ihren Feldern zu arbeiten. Doch viele starben an europäischen Krankheiten. Deshalb brachten die Portugiesen viele Sklaven aus Afrika nach Brasilien. Daher leben jetzt Menschen von europäischer, afrikanischer und amerikanischer Abstammung in Brasilien.

Brasilien blieb bis 1822 eine portugiesische Kolonie, bis der Sohn des portugiesischen Königs das Land für unabhängig erklärte und sich selbst zum Kaiser von Brasilien ernannte. Im Jahr 1888 wurde die Sklaverei endlich abgeschafft. Die Großgrundbesitzer und die Armee waren nicht sehr erfreut darüber und protestierten. Das ging soweit, dass die Armee den Kaiser vertrieb und selbst die Herrschaft übernahm. Die Sklaverei blieb aber verboten.

1891 wurde Brasilien zur Republik und blieb eine Republik bis 1964. Dann übernahm die Armee wieder die Herrschaft. Bis 1985 war in Brasilien eine brutale Militärdiktatur an der Macht. Doch 1995 gab es eine Rückkehr zur Demokratie und 2011 wurde sogar erstmals eine Frau, Dilma Rousseff, zur Präsidentin gewählt.

Musik, Sport und mehr

Carnaval de Rio

Karneval in Rio de Janeiro

Das Vermischen der Kulturen erkennt man nicht nur in der Bevölkerung. Auch die Musik wurde von verschiedenen Traditionen beeinflusst. Afrikanische Rhythmen vermischten sich mit europäischer und südamerikanischer Musik. Daraus entstanden viele interessante Musikrichtungen, wie der Bossa Nova oder der Tropicalismo. Am bekanntesten ist immer noch der Samba. Diese Musikrichtung wurde wegen des Karnevals in Rio de Janeiro weltbekannt. Dort gibt es die famosen Sambaschulen, die bei den Karnevalsumzügen um den Titel „beste Sambaschule Brasiliens“ wetteifern. Unter den Jugendlichen wird heute auch viel Axé gehört.

Berimbau

Neben vielen europäischen Instrumenten, kommen bei diesen Musikstilen Instrumente mit afrikanischem Ursprung zum Einsatz. So zum Beispiel die Berimbau, die beim Kampftanz Capoeira eine sehr wichtige Rolle spielt. Sie besteht aus einem hohlen Kürbis, an den ein gebogener Holzstock und ein Draht, als Saite, befestigt werden. Sie wird dann mit einem Holzstab gespielt, mit dem gegen die Saite geschlagen wird.

Neben guter Musik, kommt auch gute Literatur aus Brasilien. Der Brasilianer Paulo Coelho ist zurzeit einer der Autoren, die weltweit am meisten gelesen werden.

Brazil national volleyball team 2012

Volleyballnational-mannschaft 2012

Auch wenn Fußball oft als brasilianischer Nationalsport bezeichnet wird, sind die Brasilianer auch in anderen Sportarten sehr erfolgreich. Volleyball, insbesondere Beachvolleyball, sind sehr beliebt in Brasilien und sie wurden mehrmals Weltmeister in diesen Sportarten. Die Brasilianer sind auch sehr erfolgreich in der Formel 1, im Tennis, im Schwimmen, in der Leichtathletik und im Segelsport.

Ich hoffe ihr habt hier viel Interessantes über Brasilien erfahren! Um diese spannenden Themen zu vertiefen, könnt ihr auch noch die anderen Artikel auf dieser Internetseite lesen!


Die Sprachen Brasilienspdf version

Hier ist eine Liste mit brasilianischen Ausdrücken und Redewendungen, damit du deine brasilianischen Mitschüler beeindrucken kannst:
Oi!Hallo!
E aí?Und?
Tudo bom?Alles klar?
Normalerweise benutzt man die drei zusammen:
Oi ! E aí ? Tudo bom ?
Nossa!Um Gottes Willen! Nein, wirklich?!
Ausdruck der Überraschung.
Tá legal!
(Aussprache: ta legau)
In Ordnung
BalaGewehrkugel und Bonbon
Fica com Deus!Sagt man zum Abschied: Pass auf dich auf!
Xingar (Aussprache: chingar)Fluchen
Cara de pauUnverschämter Bengel
Dar uma colher de cháWörtlich: Jemandem einen Teelöffel reichen
Jemandem behilflich sein

Klicke folgenden Link, wenn du weitere brasilianische Redewendungen kennen lernen willst:

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Die Brasilianer lernen auch Fremdsprachen in der Schule. Vor allem Spanisch, weil die meisten Handelspartner Brasiliens spanischsprachige Länder sind. Brasilien ist nämlich Mitglied der Freihandelszone Mercosul. Die Schüler lernen aber auch Englisch in der Schule und in einigen Teilen des Landes sogar Deutsch und Italienisch.


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Wie steht es mit der Armut? – oder – Die Schattenseiten Brasiliens

In den letzten Jahren hört man sehr viel Positives über Brasilien. Die Wirtschaft wächst. Es gibt jetzt mehr Fabriken in Brasilien, wo Dinge hergestellt werden. Es gibt auch natürliche Ressourcen wie z.B. Öl und Gold, die abgebaut und an andere Länder verkauft werden. Landwirtschaftsbetriebe, also riesige Bauernhöfe, betreiben Viehzucht und bauen Soja und Zuckerrohr an. Heute wird mehr Handel als früher betrieben und es werden viele Produkte an andere Länder verkauft. Dadurch wurde Brasilien in den letzten Jahren reicher. Mit diesem Reichtum werden Sozialprogramme bezahlt, mit denen die armen Leute unterstützt werden. Seither gibt es weniger sehr arme Menschen in Brasilien. Brasilien bezahlt sogar viele Entwicklungsprogramme in afrikanischen Ländern, um diesen zu helfen.

Ungleichheiten in der Bevölkerung

Tropa de choque

Polizei während der Protest 2013

Das hört sich doch super an! Deshalb ist es auch schwer zu verstehen, warum viele Menschen ein Jahr vor der Fußballweltmeisterschaft gegen die Regierung und die Kosten der WM protestierten.Ein kleiner Teil der Bevölkerung ist sehr reich, doch noch immer gibt es viele arme Leute, obwohl es weniger extrem Arme gibt. Diese armen Leute können meistens nicht so lange zur Schule und nicht so oft zum Arzt gehen. Deshalb sind sie weniger gesund und haben es schwerer, eine gute Arbeit zu finden.

Tropa de choque

Favela

Die Brasilianer sind sehr stolz darauf, dass die verschiedenen Völkergruppen harmonisch zusammenleben. Trotzdem gehören verhältnismäßig viele Afro-Brasilianer (frühere Sklaven, die aus Afrika stammen) und Ureinwohner zu den armen Leuten. Diese Menschen wurden früher von den Kolonialherren unterdrückt. Brasilien, damals eine portugiesische Kolonie, kaufte mehr Sklaven als alle anderen Länder. 1888 wurde die Sklaverei zwar verboten und die Sklaven wurden befreit, doch sie waren sehr arm. Auch über 120 Jahre später, leiden die Nachfahren der Sklaven noch unter der Armut. Viele arbeiteten weiter als Landwirte, doch sie haben kein Land, wo sie ihre eigenen Sachen anbauen können. Sie müssen für einen reichen Großgrundbesitzer arbeiten, der sie oft schlecht bezahlt. Diese Großgrundbesitzer sind meist die Nachfahren der früheren Kolonialherren. Seit Jahren kämpfen diese „Landlosen“ dafür, Land zu erhalten. Doch bis jetzt hatten sie noch nicht viel Erfolg damit.

Flucht in die Großstädte

Viele Menschen ziehen in die großen Städte, in der Hoffnung eine Arbeit zu finden. Die meisten kommen aus dem Nordosten oder dem Landesinneren, den armen Regionen Brasiliens, und ziehen in den reichen Süden. Dort leben sie dann in sogenannten Favelas. Das sind Armenviertel, wo es oft kein fließendes Wasser und keinen Strom gibt. Die Leute leben da unter sehr schwierigen Bedingungen. Es gibt viel Gewalt in diesen Vierteln. Die Regierung sagt, dass diese Siedlungen illegal sind und viele Menschen wurden verjagt und umgesiedelt, damit dort Fußballstadien und reiche Viertel gebaut werden können. Da die armen Leute von der Justiz benachteiligt werden, können sie sich nicht wirklich dagegen wehren.

Protest gegen das Wasser-
kraftwerk in Belo Monte

Auch von den großen Bauprojekten haben die armen Leute nicht viel. Viele Ureinwohner wurden vertrieben, damit große Staudämme gebaut werden können und verschiedene Fabriken und Minen verschmutzen die Landschaft und die Flüsse so sehr, dass die Leute wegziehen müssen. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung, hat das Wirtschaftswunder Brasilien also noch viele Schattenseiten. Um für mehr Gleichheit zu kämpfen, gehen viele junge Brasilianer auf die Straße.